Standpunkt der PFAD Bundesvorsitzenden Ulrike Schulz, aus der PFAD Fachzeitschrift 03/2026

Wenn man an Pflegefamilien oder Adoptivfamilien denkt, sieht man oft zuerst die einzelne Familie vor sich mit ihrem Engagement, ihrer Fürsorge und Bereitschaft, Verantwortung für ein oder sogar mehrere familienbedürftige Kinder zu übernehmen. Sie richten ihr Leben oft bewusst an den Bedürfnissen der Kinder aus und nehmen dafür manche Herausforderungen und auch Einschränkungen auf sich. Weniger sichtbar ist, dass hinter vielen Erfolgen für die Kinder und ihre Familien auch starke Netzwerke und Zusammenschlüsse stehen – aus Menschen, die sich noch über ihre eigene Familie hinaus engagieren.

Seit 50 Jahren übernimmt PFAD diese Aufgabe. Als Fachverband, Selbstvertretung und Interessenvertretung setzt sich PFAD für Pflege- und Adoptivkinder und ihre Familien ein. Dabei geht es um weit mehr als Austausch, Beratung oder Unterstützung im Einzelfall. Es geht darum, als bundesweites Netzwerk die Perspektive der Familien und vor allem die Interessen der Kinder auf regionaler, Landes- und Bundesebene sichtbar zu machen.

Eine starke Stimme für Kinder und Familien

Pflege- und Adoptivkinder können ihre Interessen nur selten selbst in politische Debatten einbringen. Umso wichtiger ist es, dass ihre Bedürfnisse vertreten werden. PFAD bringt seit Jahrzehnten die Erfahrungen von Familien in Fachgremien, Gesetzgebungsverfahren und politische Gespräche ein und wirkt an der Weiterentwicklung der Pflege- und Adoptivkinderhilfe mit. Unser gemeinsamer Ausgangspunkt ist dabei immer derselbe: Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Wohl aller Kinder. Denn jedes Kind hat ein Recht auf Sicherheit, Zugehörigkeit, stabile Beziehungen und gute Entwicklungschancen.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Wohl aller Kinder. Denn jedes Kind hat ein Recht auf Sicherheit, Zugehörigkeit, stabile Beziehungen und gute Entwicklungschancen.

Was ein Verband bewirken kann

Die Rahmenbedingungen für Pflege- und Adoptivfamilien lassen sich nicht von heute auf morgen verbessern. Fortschritte sind das Ergebnis jahrelanger fachlicher Arbeit, beharrlicher Interessenvertretung und der Zusammenarbeit vieler engagierter Menschen. PFAD hat dazu beigetragen, dass Forschungsprojekte initiiert wurden und die Perspektiven von Pflege- und Adoptivfamilien heute in fachlichen und politischen Diskussionen meist mitgedacht werden. Der Verband bringt Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben ein, beteiligt sich an Fachdialogen und arbeitet mit anderen Organisationen zusammen, um die Rahmenbedingungen für Kinder und Familien weiter zu verbessern. Solche Erfolge entstehen nicht durch kurzfristige Aufmerksamkeit, sondern durch Kontinuität, Fachwissen und Glaubwürdigkeit.

Warum starke Netzwerke mehr bewirken als Einzelinitiativen

In einer digitalen Welt entstehen heute schnell Initiativen, Interessengruppen und Kampagnen. Viele davon verfolgen gute Ziele. Manche verschwinden jedoch ebenso schnell wieder, wie sie entstanden sind. Wir wissen, dass nachhaltige Veränderungen einen langen Atem brauchen. Politik, Verwaltung und Fachöffentlichkeit benötigen verlässliche Ansprechpartner, die Erfahrungen sammeln, fachliche Expertise aufbauen und über viele Jahre hinweg präsent bleiben. Genau darin liegt die besondere Stärke eines Bundesverbandes. PFAD bündelt seit 50 Jahren die Erfahrungen von Pflege- und Adoptivfamilien aus ganz Deutschland und überblickt Veränderungsprozesse im Hilfesystem. Aus vielen einzelnen Stimmen entsteht eine gemeinsame, starke Stimme. Aus individuellen Erfahrungen werden fachlich begründete Forderungen. Aus regionalen Anliegen werden bundesweite Themen.

Ein starkes Netzwerk ermöglicht es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Es schafft Verbindungen zwischen Familien, Fachkräften, Forschung, Politik und Verwaltung. Diese Vernetzung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Belange von Kindern und Familien nachhaltig berücksichtigt werden.

PFAD bündelt seit 50 Jahren die Erfahrungen von Pflege- und Adoptivfamilien aus ganz Deutschland und überblickt Veränderungsprozesse im Hilfesystem. Aus vielen einzelnen Stimmen entsteht eine gemeinsame, starke Stimme.

Wandel gestalten

Ein Verband mit fünf Jahrzehnten Geschichte darf sich nicht auf seinen bisherigen Erfolgen ausruhen. Gesellschaft verändert sich, Familien verändern sich, und damit verändern sich auch die Anforderungen an die Pflege- und Adoptivkinderhilfe. Wir stehen vor neuen fachlichen und politischen Herausforderungen. Die Umsetzungeiner inklusiven Jugendhilfe, die Auswirkungen von Fachkräftemangel und angespannten Haushaltslagen, aber auch gesellschaftliche Veränderungen wie Digitalisierung oder künstliche Intelligenz sind Themen, die unsere Arbeit bereits heute prägen und künftig noch stärker beeinflussen werden. PFAD muss diese Entwicklungen aufmerksam begleiten und seine Expertise kontinuierlich weiterentwickeln.

Gleichzeitig verändert sich die Art und Weise, wie Menschen sich engagieren. Viele sind bereit, sich für Kinder und Familien einzusetzen, möchten dies jedoch häufiger projektbezogen, zeitlich begrenzt oder digital tun. Klassische Formen des Ehrenamts bleiben zwar unverzichtbar, müssen aber durch neue Beteiligungsmöglichkeiten ergänzt werden. Als Verband stehen wir deshalb vor der Aufgabe, bewährte Strukturen zu bewahren und gleichzeitig neue Wege des Engagements zu eröffnen.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit hat sich grundlegend gewandelt. Informationen jeglicher Qualität verbreiten sich heute schneller denn je. Wer gesellschaftliche und politische Veränderungen erreichen will, muss nicht nur Fachwissen, Praxiskenntnis und gute Argumente haben, sondern auch gehört werden. Für PFAD bedeutet das, Bewährtes und Neues miteinander zu verbinden. Wir wollen aus den Erfahrungen lernen, auf dem Wissen der vergangenen Jahrzehnte aufbauen und zugleich offen bleiben für neue Ideen, neue Formen der Beteiligung und neue Herausforderungen. Nur so können wir auch in Zukunft eine starke und glaubwürdige Stimme für Pflege- und Adoptivkinder sowie ihre Familien sein.

Denn die Stärke eines Verbandes zeigt sich darin, wie gut es ihm gelingt, auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren, neue Entwicklungen aufzugreifen und dabei seinen Kernauftrag niemals aus den Augen zu verlieren: die Interessen der Kinder und Familien zu vertreten, für die er sich einsetzt.

Verantwortung für die Zukunft

Die Pflege- und Adoptivkinderhilfe steht vor großen Herausforderungen. Wir brauchen mehr Familien, die bereit und in der Lage sind, Verantwortung für Kinder zu übernehmen. Wir brauchen verlässliche Unterstützungsangebote. Wir brauchen eine Politik, die Kinderrechte ernst nimmt und Familien stärkt. Vor allem aber brauchen wir starke Gemeinschaften, die sich dauerhaft für diese Ziele einsetzen.

PFAD steht seit fünf Jahrzehnten für genau dieses Engagement. Für die Überzeugung, dass Kinder die besten Entwicklungschancen verdienen, für die Unterstützung von Pflege- und Adoptivfamilien und für die Erkenntnis, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt dort beginnt, wo wir denjenigen zur Seite stehen, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen.

Nachhaltige Veränderungen entstehen nicht durch einzelne Stimmen, sondern durch viele Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Deshalb unser Appell: Bringen Sie sich ein. Werden Sie Mitglied. Werben Sie neue Mitglieder. Unterstützen Sie unsere Arbeit. Je stärker das PFAD Netzwerk ist, desto stärker ist die Stimme der Kinder und Familien, für die wir uns einsetzen.

Wir brauchen eine Politik, die Kinderrechte ernst nimmt und Familien stärkt.

 

Ulrike Schulz

Autorin: Ulrike Schulz
Vorsitzende des PFAD Bundesvorstandes

Erstveröffentlichung des Artikels in der PFAD Fachzeitschrift „Bewegte Jahre – 03/2026“

Der Beitrag Warum es sich für Pflege- und Adoptivfamilien lohnt, eine bundesweite Interessensvertretung zu haben erschien zuerst auf pfad-bv.de.

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