Los ging es, fast pünktlich, um zehn Uhr im alten Bürgermeisteramt in Leverkusen. Ein großer Raum, in dem 12 Personen gemeinsam in den Tag starteten. Den Anfang machten Christopher Vedder und Petra Kalwa vom Bundesvorstand mit einer kleinen Präsentation über den PFAD Bundesverband e.V. und seine vielfältigen Aufgaben – um uns sollte es heute aber nur am Rande gehen. Gemeinsam mit Johannes Grünecker von Finding Futures beschrieben wir das Ziel des heutigen Tages: den Stein ins Rollen bringen und good (nicht best) practices sammeln. Warum nicht best practices? Das Beste klingt nach nur einem richtigen Weg, und den gibt es nicht. Was bei der oder dem einen gut geklappt hat, muss nicht woanders genauso gut funktionieren. Die kommunale Kinder- und Jugendhilfe sowie deren Familien sind vielfältig, und die Rahmenbedingungen sind unterschiedlich – so unterschiedlich muss auch die Ansprache sein.
Wir legen los
Um eine bewegte Gruppenübung zum Warm-werden und Kennenlernen kamen wir nicht herum. Wer kommt woher aus NRW her? Wer hat welche Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen, Vereinsarbeit oder der Gründung von Vereinen? Mit welchem Energielevel startet jede:r in den Tag? Zu letzterem kann ich sagen, es steigerte sich über den Tag. Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich, einige haben schon selbst Gruppen gegründet oder begleitet, andere noch nicht. Dieser bunte Strauß an Erfahrungen war der richtige Grundstock für einen produktiven Tag.
Wer? Wo? Wie?
Wen wollen wir überhaupt ansprechen? Wer kann bei der Gruppenarbeit unterstützen?
Eine zentrale Frage zum Start in den gemeinsamen Austausch war, wen wir eigentlich für eine Gruppenarbeit gewinnen wollen? Wir waren uns an dem Tag relativ einig, dass es vor allem Adoptiv- und Pflegeeltern sind. Hierbei haben wir gemerkt, dass wir viel differenzierter betrachten können: neue Pflegefamilien, langjährige Familien, bunte Familien, Familien mit Kindern aus einer Auslandsadoption usw. Es hat sich gezeigt, es sind nicht “nur” Pflege- und Adoptivfamilien; es ist ein bunter Blumenstrauß an Konstellationen, Erfahrungen und Biographien. Doch wo findet man all diese Personen? Eine erste Anlaufstelle sind häufig die Pflegekinderdienste (PKD), aber auch soziale Netzwerke und deren Gruppen wie bspw. bei Facebook. Unsere Gedanken gingen dann auch zu täglichen Kontaktpunkten von Familien, wie dem Kindergarten, der Schule oder Sportvereinen. An uns selber haben wir auch gedacht: die bestehenden Adoptiv- und Pflegeelternvereine. Dort haben wir auch Mitglieder, welche sich möglicherweise einbringen möchten.
Warum investieren Leute überhaupt Zeit für ein Ehrenamt?
Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, was Ehrenamtliche zusammenbringen und aus welchen Gründen sie nicht mehr so viel Zeit investieren können. Die Gründe für die zeitliche Investition in ein Ehrenamt können sein: Spaß haben, anderen helfen oder etwas für das Gemeinwohl tun. Häufig sind es berufliche Gründe, welche dazu führen, dass ein Ehrenamt nicht oder nicht mehr ausgeübt werden kann. Der zeitliche Aufwand ist zu hoch oder die Personen wollen keine Verantwortung (mehr) übernehmen.
Was können wir als Gruppe bieten?
In zwei Kleingruppen haben wir geschaut, welche Angebote Pflegeelterngruppen anbieten und Mehrwerte schaffen können. Nachbarschaftshilfe, gemeinsame Ausflüge und Kinderfeste sind attraktive Möglichkeiten für alle Beteiligten. Die Kinder und Jugendlichen können miteinander spielen und sich kennenlernen. Für die Eltern und Bezugspersonen gibt es ebenfalls den Rahmen für Austausch und Entlastung. Es hat sich gezeigt, dass informierte Pflege- und Adoptiveltern besser mit herausfordernden Situationen oder neuen Themen umgehen. Der Wissensaufbau oder die Weitergabe von Erfahrungen sind zentrale Mehrwerte für eine Gruppe – hier ist good practice hilfreich: Leitfäden zu verschiedenen Themen, eine Bibliothek mit Fachliteratur oder eine Wissensdatenbank. Adoptiv- und Pflegeelterngruppen sind i. d. R. Selbsthilfegruppen (SHG). Sie dienen der Selbststärkung, und die Mitglieder/Teilnehmenden unterstützen sich gegenseitig. Der Austausch untereinander und die Vernetzung sind für viele Gruppenmitglieder eine Entlastung und Unterstützung. SHG können auch durch externe Fachkräfte, beispielsweise in Form einer Supervision oder durch Fachvorträge, unterstützt werden.
Neue Mitglieder gewinnen und halten
Neue Mitglieder zu gewinnen und zu halten ist häufig ähnlich, wie man im Berufsleben auf Jobanfänger zugehen sollte. Interessierte müssen angesprochen werden, oder es muss den Raum für erste Informationen geben. Hat man Personen gefunden, die die Gruppe unterstützen wollen, geht es um die passenden Aufgaben. Sind diese gefunden, sind wir in einer Art Onboarding. Es wird besprochen, welche Ziele die Gruppe verfolgt, wer zur Gruppe gehört, wie kommuniziert wird, wie Abstimmungen ablaufen und wer für welche Themen zuständig ist. Wichtig ist, die Mitglieder, die sich einbringen, nach dem Onboarding/Einstieg nicht allein zu lassen. Sie müssen weiterhin begleitet werden und vor allem am Anfang eine:n Sparringspartner:in haben. Egal wie groß oder umfangreich eine Aufgabe oder ein Projekt ist, Erfolge müssen gesehen und anerkannt werden – positive Worte oder ein Lob bestärken eine Person in ihrem Tun. Möglicherweise besteht dann auch das Interesse an weiteren Projekten oder langfristigeren Aufgaben.
Ein bunter Blumentopf und ein großes Picknick
Zu Beginn des Workshops waren noch viele Pinnwände und Flipcharts leer. Am Ende des Tages haben wir unsere Ideen und Gedanken auf 174 Karteikarten niedergeschrieben. Beide Kleingruppen haben jeweils eine Visualisierung aus den Inhalten zu Papier gebracht: in Form eines Picknicks sowie eines Blumentopfs.
In einem Blumentopf stehen die verschiedenen bunten Blumen für die vielfältigen und abwechslungsreichen Aufgaben in einer Gruppe oder einem Verein. Helping Hands können bei bestehenden Aufgaben unterstützen und die Blumen wachsen lassen. Sie können aber auch neue Samen pflanzen und selbst als zukünftige Gärtner:innen für eine vielfältige Blumenpracht sorgen. Für Projekte braucht es häufig nicht nur Zeit, sondern auch finanzielle Mittel: die Gießkanne und die Sonnenstrahlen sorgen für die notwendige Unterstützung beim Wachstum einer Gruppe. Der Topf oder der Boden, in dem die Blumen wachsen, muss fruchtbar und geschützt vor Schädlingen sein. Die rechtliche Rahmenbedingungen und eine funktionierende Organisation sind die Basis für eine Gruppe und die buntes Bouquet.
Bei einem Picknick kümmert sich nicht eine oder einer alleine um alles. Jede:r bringt etwas mit, die einen kümmern sich um die passende Sitzmöglichkeit, andere um das Essen und wieder andere um Getränke oder Geschirr. Gemeinsam wird ein gemütlicher und entspannter Rahmen geschaffen – alle unterstützen sich, wie auch in einer Gruppe. Durch einen Ball oder ein Badminton-Set kann man möglicherweise noch andere Leute für eine gemeinsame Zeit begeistern und sie für die kleine Auszeit gewinnen. Vielleicht gibt es auf der Decke nebenan auch ein kleines Picknick und man schließt sich zusammen, weil man ähnliche Ziele hat.
Egal, ob ein Feld oder Topf aus bunten Blumen oder ein gemeinsamer Nachmittag bei einem leckeren Picknick – es ist immer ein gemeinschaftliches Ergebnis.
Johannes Grünecker von Finding Futures hat uns mit seinen Impulsen bereichert und den Workshop strukturiert.
Das Feedback nach dem langen Tag war positiv und die Teilnehmenden waren zufrieden. Es konnten konkrete Ideen gesammelt und mitgenommen werden. Das Ehrenamt und die Arbeit von Engagierten wandeln sich und gemeinnützige Vereine und Organisationen müssen sich darauf einstellen. Persönlich habe ich mitgenommen, dass Personen, die langfristig ein Ehrenamt übernehmen, weniger werden. Gruppen von und für Pflege- und Adoptivfamilien müssen sich überlegen, wer welche Aufgaben übernehmen soll. Sicher ist es daher sinnvoll, für die Suche nach Engagierten dauerhaft aktiv zu sein und nicht nur, wenn man einen konkreten Vorstandsposten besetzen muss.
Tipps und Tricks zur Gruppengründung
Wer mit dem Gedanken spielt, eine PFAD Ortsgruppe zu gründen und Unterstützung benötigt, kann sich gern bei uns melden
Entweder helfen wir direkt, oder wir kennen jemanden, die oder der helfen kann. Der PFAD Bundesverband unterstützt bei der Gründung mit Beratung, Vernetzung und praktischen Hilfen wie einem Website-Baukasten.
Zum Schluss noch die Erklärung der vier Podcasts. Die Zeit nach Leverkusen und zurück habe ich genutzt und . . .
. . . die vier folgenden Podcastfolgen (unbezahlte Werbung) gehört:
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Zwei Seiten – Der Podcast über Bücher | WDR Herbst – über Kürbisse, Kastanien und kürzere Tage (veröffentlicht am 21.10.2025)
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Uns fragt ja keiner! #52 Pilze, Waschtrockner & liebevolle Blicke – Ilka & Lutz zwischen Naturrausch und Reality-TV (veröffentlicht am 24.10.2025)
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Hateland Deep State (4/7) – Vom Elite-Soldaten zum Reichsbürger (veröffentlicht am 29.09.2025)
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Ronzheimer. Stadtbild, AfD, Merz: Was regt die Grünen so auf? Mit Ricarda Lang (veröffentlicht am 25.10.2025)
Christopher Vedder
Autor: Christopher Vedder
Vorstand Finanzen, Personal und Digitalisierung des PFAD Bundesverbandes seit 2023
Pflegevater
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