Das Landgericht Bamberg verurteilte eine Pflegemutter wegen Totschlags an ihrer 21 Monate alten Pflegetochter im Dezember 2024 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren. Das Gericht folgte in seinem Urteil den Einschätzungen derjenigen Gutachter, die ein Schädel-Hirn-Trauma durch heftiges Schütteln als Todesursache feststellten. Als Begründung wurden eine „gewissen Überforderung“ und ein „Augenblickversagen“ vermutet. Die Frau leugnete bis zum Schluss, dem Kind etwas angetan zu haben. Das Urteil vom 08.01.2026 ist noch nicht rechtskräftig.

Wir sind tief bestürzt über den furchtbaren Tod des kleinen Mädchens in seiner Pflegefamilie und möchten an dieser Stelle auf die Gefährlichkeit des „Schütteltraumas“ (Shaken-Baby-Syndrom) hinweisen. Denn es gibt keine Behandlungsmöglichkeit, die bereits entstandene Hirnschäden rückgängig machen kann!

Nach Angaben des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) besteht ein großer Aufklärungsbedarf sowohl über die Gefahren des Schüttelns als auch über frühkindliches Schreiverhalten: Die Gefahren des Schüttelns werden von fast einem Viertel der Bevölkerung unterschätzt.

Wir fassen hier einige Informationen der Website www.frühehilfen.de zu diesem Thema zusammen:

Ein Schütteltrauma ist eine Hirnverletzung, die durch heftiges, gewaltsames Schütteln von Säuglingen und Kleinkindern verursacht wird. Beim Schütteln schleudert der Kopf des Babys unkontrolliert hin und her. Denn der Säugling kann – wegen seiner schwachen Nackenmuskulatur – den Kopf nicht alleine halten. Durch das gewaltsame Schütteln wird das Gehirn im Schädel hin- und hergeworfen. Es können Blutgefäße und Nervenbahnen reißen.

10 bis 30 Prozent der geschüttelten Kinder, die in eine Klinik gebracht werden, sterben. Rund zwei Drittel der Babys, die ein diagnostiziertes Schütteltrauma überleben, erleiden verzögerte bzw. chronische Schäden wie Seh- und Sprachstörungen, Lern- und Entwicklungsverzögerungen, Krampfanfälle sowie schwerste bleibende körperliche und geistige Beeinträchtigungen. Nur schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Säuglinge überleben ein diagnostiziertes Schütteltrauma ohne bleibende Schäden.

Misshandlungsbedingte Kopfverletzungen, zu denen in erster Linie das Schütteltrauma zählt, sind bei Säuglingen und Kleinkindern die häufigste nicht natürliche Todesursache. Jährlich werden schätzungsweise zwischen 100 und 200 Säuglinge und Kleinkinder mit Schütteltraumata in deutsche Kliniken gebracht. Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da nicht alle betroffenen Kinder medizinisch behandelt werden. Sie vermuten, dass geistige und körperliche Beeinträchtigungen bei Kleinkindern teilweise auf früheres, nie diagnostiziertes Schütteln zurückzuführen sind.

Hauptauslöser: Exzessives Babygeschrei

Anhaltendes Babyschreien gilt als Hauptauslöser für das Schütteln. Der Hauptzeitraum für ein Schütteltrauma liegt zwischen zwei und fünf Monaten und überlappt sich mit dem Hauptschreialter. Geständige Täterinnen und Täter geben übereinstimmend das Schreien des Kindes als auslösenden Faktor an.

Anhaltendes, unstillbares Schreien kann bei Betreuungspersonen zu starker Erschöpfung und den oben beschriebenen Gefühlen der Hilfslosigkeit, aber auch Ärger und Wut führen. Die Anspannung und Erregung der Eltern überträgt sich auf das Kind und die vielen verschiedenen Beruhigungsversuche können zu einer weiteren Überreizung des Säuglings führen: Es entsteht ein Teufelskreis und die Beziehung zwischen Säugling und Bezugsperson ist gestört.

Strategien, die helfen können

Was tun, wenn das Baby anhaltend schreit und die Betreuungsperson kurz davor ist, die Nerven zu verlieren? Expertinnen und Experten empfehlen das Baby sicher abzulegen, den Raum kurz zu verlassen, um sich zu beruhigen oder Hilfe zu holen.

Eltern, die vom Schreien ihres Kindes stark verunsichert sind, sich erschöpft fühlen und in Folge dessen ihrem Kind gegenüber negative Gefühle empfinden, sollten frühzeitig professionelle Hilfe zum Beispiel in einer sogenannten Schreiambulanz, Kinderarztpraxis oder einer Familien- und Erziehungsberatungsstelle suchen.

 

 

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